Das Auto - "TYPISCH DEUTSCH"

Bild: Emslichter
Bild: Emslichter

Autor: Henri du Vinage

Buchprojekt "Typisch Deutsch"

Testleser Rückmeldung

2022

 

Das Auto

Mindestens einmal in der Woche stehen deutsche Männer an der Autowaschstraße und lassen ihre Lieblinge von oben bis unten bürsten, massieren, eincremen und selbst der Unterboden glänzt im modischen Antifaltenschutz. Angekommen auf der heimischen Garagenauffahrt wienert der Teutone nach. Scheinwerfer, Scheiben und der Innenraum erstrahlen im Sonnenlicht.

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Es zieht - "TYPISCH DEUTSCH"

Bild: Herzfrog, Andrea Stöger
Bild: Herzfrog, Andrea Stöger

Autor: Henri du Vinage

Buchprojekt "Typisch Deutsch"

Testleser Rückmeldung

2022

 

Stoßlüften oder Querlüften

Die Deutschen haben eine Höllenangst vor Luft. Ein zarter Lufthauch aus dem geöffneten Fenster im Sprechzimmer des Arztes, das Klappfenster in der Bahn, welches einen Spalt breit aufgeriegelt ist, die laufende Klimaanlage im Auto bei 30 Grad Außentemperatur oder gar zwei gekippte Fensterflügel im Wohnzimmer, führen zu Panikattacken. „Fenster zu“, wird dann gerufen. „Es zieht“, und alle flüchten in eine Luftzug geschützte Ecke. Es drohen Erkältungen, Halsschmerzen, steife Schultern oder Husten und Schnupfen. Vielleicht sogar der Tod. Selbst bei 35 Grad im Schatten verstehen die Einheimischen keinen Spaß.

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Die Flucht

Juni 2021

Autor: Henri du Vinage

Bild von Cari R. auf Pixabay
Bild von Cari R. auf Pixabay

 

Ich passe den richtigen Moment ab. Während er auf der Toilette ist, springe ich aus dem Fenster im Erdgeschoß und renne und renne, so schnell mich meine Beine tragen. 

Die eng stehenden Bäume des Forstes türmen sich über mir auf, als wären sie ein unüberwindbares Hindernis, die Baumkronen bremsen das Sonnenlicht, welches zugleich Freiheit und Frieden bedeutet.

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Emma und der schwarze Karpfen

 

 

Es war Sommer und die Sonne schien wie verrückt. Am See tummelten sich viele Kinder. Groß und klein planschte. Die Schwimmer schwammen schon im tiefen Wasser und bei den Nichtschwimmern strahlten die knallroten Luftpolster von ihren Oberarmen. Die kleine Emma konnte noch nicht schwimmen.

Eine Kindergeschichte

März 2021

Autor: Henri du Vinage

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Handyliebe - Ein Gedicht

März 2021

Autor: Henri du Vinage

 

 

Die Finger, die Knöpfchen, streicheln,

Die Augen blinzeln in das glitzernde Lichtermeer,

Das Gehirn verzückt gar so sehr,

Die Worte der Liebe nur so schmeicheln.

 

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Friedliche Welt

Dezember 2020

Autor: Henri du Vinage

 

Am Silvesterabend sitzen die Bundeskanzlerin, der Wirtschafts- und der Außenminister sowie die für Verteidigung zuständige Ministerin bei einem Glas Wein in einer versteckten Ecke ihrer Stammkneipe des Regierungsviertels. Die außerordentliche Sitzung an diesem außerordentlichen letzten Tag des Jahres dauert bis in die Abendstunden und für eine Heimfahrt zur Familie ist es zu spät. 

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Des Kreisels Arbeiter - Ein Märchen

Oktober 2020

 

Es war einmal eine Fabrik, in der herrschte ein böser Drehkreisel. Seine Mitarbeiter mussten sich an ihm festhalten und gehorchen. Die Notebooks verfügten über einen besonderen Platz. Sie saßen bequem auf dem Kreisel und gaben die Befehle weiter an die Kugelschreiber, die sich mit ihren Haken sicher in die blechernen Schlitze einklinkten.

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Kurzgeschichte - Liebe

Juli 2020

 

Der Chef pöbelt: „Der Bericht für den Vorstand ist noch nicht fertig. Den müssen sie heute abgeben.“ Es ist Freitagnachmittag, eine Affenhitze und ich freue mich den ganzen Tag lang auf einen Abend im Biergarten mit meiner Frau und eine dem Wetter entsprechende Nacht im Schlafzimmer.

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Kurzgeschichte - Kombucha

©André Götz
©André Götz

Zum Frühstück trinken wir jetzt immer Kombucha. Ein volles Glas mit sprudelnder, dunkler, mattdurchsichtiger Flüssigkeit. Salbei, grünen Tee und Kräuter schmecke ich heraus. Auf der Zunge spüre ich Kohlensäure, Limonade oder wenn der Kombucha zu hungrig war, riecht und schmeckt der Drink nach fruchtigem Apfelessig.

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Kurzgeschichte - Der Geizkragen

Foto: Geralt
Foto: Geralt

Februar 2020

Wir ergatterten einen Platz an der Hotelbar. Neben uns saß ein Ehepaar, welches schon bei der Fahrt im zypriotischen Allinklusive-Bus auffiel. Sie buchten als Einzige der 36 teilnehmerstarken Gruppe das abendliche Dinner im Hotel nicht. Ich gebe zu, dass ich im ersten Moment den Mut bewunderte, sich dem Gruppenzwang zu entziehen. Wir kamen uns feige vor, hatten Angst in einem Hotel im Nowhereland keine Alternative außerhalb des Gefängniszauns zu finden. „Die Reiseveranstalter solcher Gruppenreisen halten die Herde immer zusammen und die unbändigen Ausreißer werden schnell eingefangen und zurück in den Stall gebracht“, erklärte uns ein Mitreisender, der offenbar Gefallen am Stallgeruch gefunden hatte. „Das ist meine dritte Reise mit denen“, gab er stolz und unverblümt zu.

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