Trilogie - TAKE IT EASY

Noronha - Mitten im Atlantik

Autor: Henri du Vinage

Juni 2019

Thailand 

 

 

Obwohl wir auf Reisen immer Vorsicht walten lassen, keinen Schmuck tragen, die billigste Uhr um das Handgelenk binden, nach den Preisen fragen und unser Geld unerreichbar deponieren, fallen wir auch auf die ältesten Tricks herein.

Da hilf nur eins: Trage es mit Humor -TAKE IT EASY.

Tuk-Tuk

Das zweitbeste Fischrestaurant

 

Der Flieger setzt nach einstündigem Flug von Chiang Mai in Bangkok auf, die Maschine rollt aus, wir holen das Gepäck von den laufenden Bändern und besteigen anschließend das Taxi, um in das zentralgelegene Hotel zu kommen. Von den anderen Städten sind wir gewohnt, an einem der Taxischalter die Route zu benennen, zu bezahlen und den Wagen zugewiesen zu bekommen. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit. Auf dem Hinweg, kurz vor unserem Ziel, kreuzen wir Straßen mit zahlreichen Thairestaurants und freuen uns, den Hunger bald zu stillen. „Da können wir später hinlaufen“, meinen unsere brasilianischen Freundinnen und wir nicken. Die Vorfreude auf Thaicurry und kaltes Bier steht uns ins Gesicht geschrieben.

Einchecken im Hotel Rembrandt, Zimmer beziehen und wieder tauschen, weil diese nach Zigarettenrauch miefen. Wir lassen uns die gute Laune nicht verderben. Ein Versehen. Päuschen, Relaxen, Verorten.

Verhungert bummeln wir durch die Stadt. Wo sind die landestypischen Restaurants geblieben? Einige Spelunken laden nicht zum Verweilen ein und andere haben geschlossen. Mitleid mit Hungrigen kennt keiner. Voller Verzweiflung und mit den letzten Kräften latsche ich auf einen Tuk-Tuk-Chauffeur zu: „Please, Restaurant“, und versuche ihm zu erklären, dass wir auf der Hinfahrt an einem Straßenzug mit zahlreichen, geöffneten Gaststätten vorbeigekommen sind. „Yes, yes. I know.“ Den Preis ausgehandelt und wir vier quetschen uns in das zweisitzige Gefährt. Es kann nicht weit sein. Nach einer Viertelstunde überschneiden sich unsere Blicke, Augenbrauen hochgezogen, Kopfschütteln, Schulterzucken und knurrende Mägen. „Ist es noch weit?“, frage ich. „Nein, wir sind gleich da.“ Links und rechts ziehen Holzbaracken vorbei, die Bewohner hocken davor, verkaufen Speisen und Getränke. Am Müll stört sich niemand. Das Grummeln unserer Eingeweide weicht einer Beklemmung, welche paralysiert. Eine halbe Stunde Fahrzeit. Ladengeschäfte lösen die Armensiedlung ab. „Wann sind wir da?“ Flott biegt der Fahrer in einen Hinterhof. 

 

„Das ist das beste Fischrestaurant“, kündigt er an. 

„Das sieht ja wie eine chaotische Werkstatt aus. Ihr wartet“, sage ich, steige aus und trete in das beste Fischrestaurant Bangkoks ein. Die toten, stumpfen Augen der Fische werfen mir verzweifelte Blicke zu. An den Holztischen sitzen einige Gestalten, in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Ein Fenster, scheinen die Erbauer dieses Etablissements, vergessen zu haben. Nichts wie weg. „Wir wollen in eine Straße mit vielen Restaurants.“ Versteht er nicht, was ich will. „OK. OK.“ Er versteht also doch. „Hoffentlich überleben wir diese Tour“, geht mir durch den Kopf. „In anderen Ländern ist gleich die Rübe ab“. Der Schweiß tropft im Sekundentakt an uns herunter. Angstschweiß, Hitzeschweiß und Schweiß der schieren Verzweiflung saugen die schlappen Baumwollshirts auf, bis der Fahrtwind alles trocknet. Fünf Minuten später hält der Fahrer in der Straße mit den vielen Restaurants. Es sind so viele, dass es schwerfällt sie zu zählen. Wir kommen auf zwei Stück. Ein Fischrestaurant. Das Zweitbeste der Stadt und eine indische Kaschemme, bei der wir nicht sicher sind, ob wir diese als Restaurant werten sollen. Wir entscheiden uns für das Zweitbeste und sind froh, dass der Typ weg ist. Er dreht noch einmal eine Runde. Wird er seine Provision erhalten? Die Speisekarte ist überteuert, das Bier hat den Standardpreis, alles ist sauber und die Kellner sind freundlich. „Vier Bier und Curries mit Fisch.“ Wir haben überlebt. 

 

„Take it easy.“

Take it easy
TAKE IT EASY

Floating Markets

 

Im Hotel erkundige ich mich nach den Floating Markets, den schwimmenden Märkten, am Fluss. 

„Nichts Touristisches. Da wo die Einheimischen einkaufen. Dort möchten wir hin.“

„Da gibt es einen. Der hat aber nur samstags und sonntags von 6-15 Uhr auf“, erklärt uns der junge Mann am Informationsschalter und googelt sofort in seinem PC. Er zeigt Fotos vom Markt und zeichnet den Weg in den Stadtplan. „Alles klar. Bis morgen.“

Strahlend und neugierig finden wir uns am nächsten Tag in der Frühe am Infodesk ein, um nochmals den Weg zu checken. Der nette junge Mann von gestern hat frei. Sein Kollege hilft gerne weiter und prüft unser Tagesziel. „Es tut mir sehr leid. Der Markt hat heute geschlossen.“ Das wirft die Tagesplanung durcheinander und wir fragen nach Alternativen. „Hmm, es gibt noch einen Markt, der befindet sich allerdings außerhalb Bangkoks. Eine knappe Stunde mit dem Taxi.“ „Wie viel kostet das?“ Der Mitarbeiter rechnet und sagt: „1.500 BHT. Hin und zurück.“ Wir überlegen, diskutieren und kalkulieren. „Das sind 40 €. Für jeden 10 €. Das ist preiswert.“ 

Fünfzehn Minuten später steht das Taxi vor der Tür. Schwarzer Toyota-SUV, getönte Scheiben, Ledersitze, Klimaanlage, Musikanlage und eloquenter Fahrer mit dunkler Sonnenbrille. Kein Taxi-Meter und kein Hinweisschild auf seine Lizenz. Wir bestätigen nochmals den Preis und sind glücklich nicht im Tuk-Tuk zu sitzen. Nach einer halben Stunde verlassen wir Bangkok und sind inzwischen orientierungslos. Fahren an ordentlichen Ortschaften vorbei, beobachten die Salzfischer an den Salinen. Die Verkaufsstände des Meersalzes ziehen an uns vorüber. 

Wir fragen: „Wie lange noch.“ 

Die Antwort lautet: „eine halbe Stunde.“ 

Fleißige Menschen gehen ihren Alltagsaktivitäten nach. Säubern die Geschäfte, hocken in den Verkaufsständen oder quasseln miteinander. 

Eine Stunde ist verstrichen. „Gleich haben wir den Markt erreicht“,vertröstet uns der Fahrer und Erinnerungen an das zweitbeste Fischrestaurant flimmern in unserem Kopfkino. Haben wir diesen Film schon einmal gesehen? 

Schließlich biegt er in eine holprige Straße ein. Eineinhalb Stunden sind vergangen. „Wir sind angekommen“, lächelt der sonnenbrillige, schwarzbekleidete Fahrer. „Es grummelt schon wieder in meinem Magen“, sage ich zu meinen drei Begleiterinnen, die inzwischen verstummt sind. Nur meine Frau meldet sich kurz zu Wort: „Wir müssen auf Toilette.“ Nachdem wir an drei Reisebussen, Taxis, Tuk-Tuk und zahlreichen Privatautos vorbeigefahren sind, hält der SUV. Die Türen werden abrupt aufgerissen, eine dominante Frau lotst uns aus dem Auto heraus, wirbelt mit Papieren herum und fordert uns auf, an einem massiven Holztisch Platz zunehmen. Meine drei Begleiterinnen verschwinden umgehend auf der Toilette und lassen mich mit diesem geldgierigen Weib alleine. Im Hintergrund tuckern Longtailboote mit ihrer menschlichen Fracht vorbei. „Wo ist der Floating Market“, frage ich die Frau. Sie erklärt mir, dass die Boote zum Markt fahren, aber auf dem Weg dahin noch an der Krokodilfarm vorbeischauen, die auf dem Weg zum Elefantencamp liegt, wo wir auch reiten können und anschließend steigen wir im „Dorf“ der Langhalsfrauen und der Clou: „All inclusive“. Sie strahlt und drückt mir den Kugelschreiber in die Hand: „Sign here, please. Nur 2.500 Baht, 70 €, pro Person. Alles inklusive.“ 

Meine Frauen sind wieder zurück und strahlen. Ich erkläre die Situation: „Hier gibt es alles das, was wir ablehnen. Elefantenshow, Krokodilfarm, Touristenmarkt und dafür wollen die uns 70 € abknöpfen. Was meint ihr? Hauen wir wieder ab?“ Sofort sind alle damit einverstanden, bis auf den Fahrer und die Verkaufsdame. Eine nicht enden wollende Diskussion schließt sich an. Der Preis purzelt, aber niemand versteht. 

„Wir lehnen diese Art von Tierhaltung und Touristennepp ab. Punkt“. 

Sie wollen nicht verstehen. Schließlich muss ich laut werden. Schnappe mir den Fahrer, klatsche kräftig in beide Hände und brülle ihn an: „Schluss jetzt. Zurück nach Bangkok!“ 

Er setzt uns in Bangkok am Marmortempel ab. Wir genießen die Anlage und halten uns dort zwei Stunden auf. In einem einfachen Thairestaurant bestelle ich mir meinen Sticky Rice mit Mango und bin glücklich.

Angekommen im Hotel beschweren wir uns über diesen Vorfall und das korrupte Verhalten des Mitarbeiters. Er hat mit einer satten Provision gerechnet. Kurz nach dem Gespräch schickt uns die Managerin ein Entschuldigungsschreiben und einen Obstkorb auf das Zimmer. 70 % der Kosten werden ersetzt und wir sind wieder um eine Erfahrung reicher. Wir quatschen den ganzen Abend über unser Erlebnis und krümmen uns vor Lachen.

„Take it easy“

Bangkok by night

Hallo Schatzi

 

Bangkok. Affenhitze. Schweißtropfen so groß wie Tischtennisbälle. Die Beinmuskulatur verkrampft vom Laufen. Die Mundhöhle ausgetrocknet. Wir wollen schnell ins Hotel und winken nach den Taxis. 

Da kommt ein Orangenes. Besetzt. „Das Gelbgrüne ist frei“, ruft meine Frau. Es kommt näher und ... besetzt. Das Spiel geht noch einige Zeit so weiter. „Schaut, dort hinten das lila Taxi“. „Es ist freieieiei!“ Schnell einsteigen, bevor uns jemand den Platz streitig macht. Ich setze mich nach vorne und staune: „Sie sind die erste Frau am Steuer eines Taxis, die uns in Thailand fährt.“ Sie lächelt uns auf thailändisch an, schaltet das Taxi-Meter unaufgefordert an und quasselt mit uns in gutem Englisch. Sie erzählt von ihrer Tochter, die an der Uni studiert und von ihrem Mann, der auch Ausländer ist. 

Ihr Smartphone klingelt und trotz des wilden Getümmels auf den Straßen nimmt sie das Gespräch an. „This is my husband“, meint sie. Aha, denke ich der Ausländermann.

„Hallo Schatzi, wo bist du denn?“ 

„Ich fahre ins Hotel Rembrandt und habe Fahrgäste. Was hast du heute gemacht?“ 

„Ich habe mir einen Curry gekocht, so wie du es mir gezeigt hast. Hat super geschmeckt. Velia, wann kommst du wieder. Ich vermisse dich so sehr.“ 

„Wenn ich alles erledigt habe, Dieter.“ Dieter spricht in einem wunderbaren Sächsisch und ich rufe spontan: „Hallo Dieter. Keine Angst wir passen auf deine Frau auf. Sie fährt uns ins Hotel.“

Das Gespräch geht noch eine Zeit lang so hin und her. Wir lauschen andächtig und wollen die beiden Turteltauben nicht stören. Dann legt Dieter auf: „Bis später.“

Velia hält vor dem Empfangsportal des Hotels. Ein Hotelmitarbeiter öffnet die Beifahrertür. In dem Moment stürzt ein Mann herbei, reißt die Fahrertür auf und stürzt auf Velia. Sie schreit. Dann lacht sie und die Tränen laufen glitzernd die Wangen herunter. Es ist Dieter, der alte Sachse. Ich bezahle und flüstere Velia zu: 

 

„Take it easy“

Tipp 1: Preis aushandeln. Taxi über Hotel bestellen und Taxi-Meter-Fahrt verlangen. Wird nicht immer gelingen. Wenn das nicht möglich ist, vereinbare einen Festpreis. Sich erkundigen was fair ist.

Tipp 2:  Das UNESCO-Weltkulturerbe Ayutthaya besuchen. Die alte Königstadt erzählt von ihrer Geschichte und ist in einer guten Stunde von Bangkok mit dem Taxi zu erreichen. Entfernung 80 Km, Preis: Tagestour Taxi ca. 4.000 Baht (120€ - bis 4 Personen).

Tipp 3: Take it easy.

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