Pubs - Whiskey und Bodhrán

Autor: Henri du Vinage

Januar 2017

Irland

 

 

Dem irischen Way of Life auf der Spur. Bei Live-Musik, guten Gesprächen und einem frischen Bier genießen die Iren das Leben.

 Der Wind pfeift eisig durch die Straßen von Galway, einer Hafenstadt an der irischen Westküste. Auf der Fußgängerzone, der Quay Street, herrscht jeden Abend ein reges Treiben. Flirtend ziehen Pärchen und Gruppen junger Leute durch die Gassen. Bei nur 5°C und starkem Wind fühle ich mich wie mitten in der Antarktis. Die hübschen irischen Ladies stolzieren im schulterlosen Kleidchen oder Minirock, auf Highheels die gepflasterte Gasse entlang. Sie lassen sich die Kälte nicht anmerken. Andere Gruppen stehen leicht geschürzt vor den Pubs, schmoken Zigaretten, trinken Guinness, quatschen, treiben ihre Späße, knabbern an Pommes und verziehen sich nach ein bis zwei Zigarettenlängen in die gemütliche Kneipe.

In den knalligsten Farben, rosa, knallrot, lila oder bonbongrün, versuchen, die Pubbesitzer die Kunden anzulocken. Die kleine Eingangsfront täuscht. Sobald das Innere erreicht ist, erschließt sich dem Gast ein Geflecht von verwirrenden Gängen, tiefe oder erhöhte Ebenen, ein weiteres Stockwerk, Galerien von denen Livemusik erlebt wird. Mancher hält Ausschau nach einer Flirtchance. Nicht selten sind mehrere Bars und Tresen installiert. Viele Pubs strahlen den morbiden Flair ihrer Gründerzeit aus. Da kommen schon einige hundert Jährchen zusammen.

Die Pub‘s, public houses, sind Meeting-Points zwischen den Klassen. Nach der Arbeit wird erst einmal ein Pint geschluckt und die allgemein Lage besprochen. Egal welche. Egal ob man sich kennt. Themen gibt es genug: über Politik, die Korruption in Irland, die Geldsorgen, den letzten Streit mit Freund-in oder Ehemann/-frau, die Niederlage des geliebten Sportvereins. Die Nacht ist einfach zu kurz.

Das Guinness-Buch der Rekorde führt als ältesten Pub Sean’s Bar in Athlone. Um das Jahr 900 wurde hier schon ordentlich gebechert. Heute spielen irische Musiker auf und im Sommer sitzen die Gäste direkt am River Shannon. Die Stimmung ist relaxed. Zu der uralten Pubszene zählen noch das Brazen Head in Dublin mit Irish Folk Music und Dance Shows. Im »The old Thatch« in Kelleagh, Cork managed die Familie Sweeney seit Mitte des 18. Jahrhunderts den Betrieb. Es lohnt sich stets in eine der irischen Kneipen hineinzugehen und das Außergewöhnliche zu entdecken.

 

 

 

Touristen, Geschäftsleute, Arbeiter und Angestellte, jung und alt sitzen an den Tresen und an den Tischen, in Gespräche vertieft, erzählen Lustiges und manchmal auch Trauriges. Die vielen Bier- und Whiskeysorten an der Bar sind eine echte Herausforderung für den ungeübten Fremden. Der Barmann erzählt mir, dass es vor 150 Jahren über 100 Destillerien gab. Die Schwarzbrenner  nicht mitgerechnet. Ende der 1960-ziger schlossen sich die einzigen drei übriggebliebenen Brennereien Jameson, Power’s und Cork zur Irish Destillers Group zusammen. 1988 wurde Irish von dem französischen Getränkekonzern Pernod-Ricard übernommen. »Ein schwerer Schlag für uns Iren«, wie mir der Barkeeper versichert. »Aber wahrscheinlich die Rettung«. Das Geschäft floriert bis heute. Weitere Destillerien sind hinzugekommen bzw. wieder eröffnet worden. Irish-Whiskey ist super. Ich bestelle einen Jameson. Mir schmeckt er: Jameson Rarest Vintage Reserve. Kleiner Scherz. Flaschenpreis im Einzelhandel 500 €. Den kann ich mir nicht leisten. Ich begnüge mich mit dem Jameson Original, das Glas kostet 5 €. Ich werde weiter aufgeklärt über diverse Marken. Tolle Destillate haben auch Bushmills, Cooley, Tullamore, Teeling und andere Brenner. Jetzt ist klar, was meine Beschäftigung in den nächsten Tagen ist.

Zum ersten Mal höre ich im Pub »The Quay« in Galway den groovenden Sound der Trommel Bodhrán. Eine drei Mann Band, Gitarre/Gesang, Geige/Gesang und Bodhrán haut mich um. Eine grandiose Musik, internationale Folkmusic, Paul Simon und Dylan lastig, grooved wie die Hölle. Oh Mann, dieses Bodhrán, großartig bespielt, vermittelt den Eindruck, dass ein ganzes Schlagzeug im Einsatz ist. Ich bin beeindruckt und begeistert. Unbedingt muss ich mehr über das Instrument wissen.

Auf der Anlage eines alten franziskanischen Klosters betreibt Malachy Kearns das traditionelle Handwerk des Bodhrán-Herstellers. Seit über 30 Jahren ist er der einzige irische Fabrikant.

Bodhráns sind mit Ziegenfell bespannte Rahmentrommeln und werden in Größen von 20-50 cm Durchmesser gebaut. Gute Instrumente besitzen ein Stimmsystem und lassen sich genau auf den gewünschten Ton stimmen. Der Musiker spielt das Instrument im Sitzen. Durch berühren und drücken der Innenseite des Fells werden verschiedene Töne und Effekte erzielt. Mit dem Holzschlägel und der jeweiligen Anschlagstechnik können großartige Ton- und Rhythmus-Sounds erzielt werden.

 

Unbedingt ‘mal reinhören:  

   Tipp 1: Den nächsten irischen Pub aufsuchen und genießen.

   Tipp 2: Roundstone Musical Instruments Ltd., Malachy Kearns

 

   Tipp 3: Whiskey in Deutschland kaufen. Aufgrund der hohen Besteuerung

               ist er in Irland 20-25% teuerer.

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Kommentare: 1
  • #1

    Werner Gollbach (Freitag, 17 Februar 2017 09:21)

    Hi Henri, vielen Dank für die interessanten Leseproben von eurer Irlandreise. Beim Lesen konnte ich wieder ganz deutlich die Bilder unsere Reise nach Golway in meiner Erinnerung sehen, die vielen jungen Menschen in den Straßen Golways, die unzähligen Pubs, und das pulsierende Leben in der Stadt und ich spürte den Geschmack eines frisch gezapften Guinness auf der Zunge. Vielen lieben Dank für die schönen Erinnerungen.
    LG
    Werner



 

Henri du Vinage

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