Mönche, Meditation, verpestete Luft

Noronha - Mitten im Atlantik

Autor: Henri du Vinage

Juni 2019

Thailand 

 Chiang Mai, zweitgrößte Stadt Thailands,  erwartet die Reisenden mit unzähligen, facettenreichen Tempelanlagen, Mönchen versunken in Meditation und hektischem Straßenverkehr.

 

Noronha - Sunset

Mit 200.000 Einwohnern zählt Chiang Mai zu den Großstädten Thailands. Geschäftiges Treiben, Mopeds und Motorräder düsen durch die Straßen, Touristen und Einheimische vertreiben sich die Zeit auf den Märkten und an den Streetfoodständen. In der Altstadt erzählen hunderte Tempelanlagen (Wat) unterschiedlichster Gestaltung von der über 700-jährigen Geschichte der Provinzstadt. Gläubige beten oder meditieren. Durch neugierige Besucher lassen sie sich nicht stören.

Mit der Bütt im Weinberg

 

In einem achtsitzigen Pick-up-Taxi, dem Songthaew, kutschieren wir kreuz und quer durch die abgasverpesteten Straßen der Stadt. Unser Ziel: Der historische Ortskern. Die zahlreichen Wat faszinieren die ausländischen Gäste durch ihre Tradition und Farbenpracht. Die Klosterbrüder tauchen entweder in tiefe geistliche Übungen ein, pflegen die Gartenanlagen, bauen Stände für Feierlichkeiten auf oder halten ein Schwätzchen. Auch mit uns. Einige sind stolz, wenn ich sie um ein Foto bitte, selten winken sie ab. Die Novizen zeigen ihre Wissbegierde, wollen wissen, wo wir herkommen, spaßen miteinander und posieren für Urlaubsbilder. Manchmal betreten wir Klosteranlagen, in denen Buddhisten im Gebet, in der Meditation oder anderen religiösen Ritualen verweilen. Gläubige und Interessierte schließen sich den Gehmeditationen um die Tempel an und folgen ehrfürchtig den Brüdern. Ein friedvolles Bild.

 

In den nächsten Tagen erwarten uns elf Wat. Ich trete, wie immer barfuß, andächtig und respektvoll in das Wat Phrasingha Woramahawiharn ein. Meine Frau flüstert mir zu: „Hier kannst du nicht fotografieren. Schau, die Mönche meditieren“, und sie deutet auf eine Reihe von acht betagten in sich gekehrten Männern hin. Regungslos, geräuschlos. Wir sind atemlos und vermeiden jede Störung. Langsam bewegt sich eine Gruppe asiatischer Besucher auf die in sich Zurückgezogenen zu. „Wie respektlos. Die sollen sie doch in Ruhe sitzen lassen“, denke ich. Die ersten Smartphones klicken und blitzen. Die Reisegruppe lächelt, sie tuscheln untereinander, stoßen sich an und zeigen auf die Gläubigen. Die lassen sich nicht stören. Da tritt eine Frau aus der Gruppe heraus, stakst zwei Schritte vor, schaut einen der Meditierenden direkt ins Gesicht, bewegt sich zur Seite und murmelt Unverständliches. Lächeln, Ungläubigkeit, Fotoapparate im Anschlag. Jetzt wage ich mich auch, dicht an die Mönche heranzutreten. Keine Bewegung, kein Atemzug, nicht einmal ein Zucken der erschlaffenden Muskulatur. „Das sind Wachsfiguren“, schießt es mir durch den Kopf und halte dieses stille, in sich ruhende Spektakel fotografisch fest.

Weingut Höfler - Probier- und Verkaufsraum

Auf dem Klosterhof warten die Tuk-Tuk auf die Touristen, um sie zu den Sehenswürdigkeiten, in ein Restaurant oder in das Hotel zu kutschieren. Ein Pärchen spricht mit uns und schlägt vor, in das Handarbeitsdorf am Stadtrand zu fahren. Die Verabredung für den folgenden Tag steht. 

Pünktlich um 10:00 Uhr stehen beide mit jeweils einem Gefährt für zwei Personen vor unserem Hotel. Wie sich herausstellt sind sie Geschwister. Die Frau streift ihre weißen Handschuhe über und legt die Atemschutzmaske an. Unsere Freunde steigen bei der Dame ein, wir bei ihrem Bruder und mit Geknatter sowie einer steifen Brise im Gesicht schlängeln sie sich durch den Autoverkehr. Nach einer halben Stunde, zerzausten Haaren, einigen Partikeln Feinstaub in der Lunge erlösen sie uns. Ein Schluck Wasser gießen wir hinter die Binde und reinigen die tränenden Augen. 

„Thai Silk Village“. Lächelnd führen uns die Mitarbeiterinnen des Hauses zunächst in eine Musterweberei mit Erklärungen zur Seidenherstellung und Stoffproduktion. Die Raupen kriechen an den Maulbeerblättern entlang, futtern eifrig, um die seidigen und wertvollen Kokons zu spinnen, aus denen die Seidenfäden gewonnen werden. Die Arbeiterinnen des Villages zeigen den gesamten Produktionsprozess vom Gewinnen des Fadens, Färben der Stoffe mit Naturfarben bis hin zum handgewebten Tuch auf hölzernen Webstühlen. Fotos der „Hill Tribes“, der Bergvölker des Nordens, zeugen von einer farbenprächtigen Handwerkskunst.

Begeistert von den feinen Stoffen, dem handwerklichen Geschick der Weberinnen, der Kreativität der Designer spannt sich der Bogen zu den erfahrenen Verkäuferinnen des Shops. Ein ausgefeiltes Marketing. Wir lassen bedächtig die Seidenkleider und -hemden, -tücher und -umhänge durch die Finger gleiten und plötzlich entdecke ich ihn. Den Bademantel oder Morgenmantel im Sherlock-Holmes-Stil, wohl nicht der letzte Modeschrei, aber einfach cool. In Dunkelrot mit schwarzen Federzeichnungen von Blättern und Blumen wirkt er edel. „Ist der zu auffällig?“, frage ich meine Frau. Sie schaut verdattert, sagt aber dann: „Nö, sieht toll aus.“ Seide hält im Winter warm und kühlt im Sommer. Ist bestens für meine wöchentlichen Saunagänge geeignet. Ach so, kostet 100 €. Auch der Tuc-Tuc-Fahrer strahlt. Erste Anfahrt und gleich eine satte Provision. Ich gönne es ihm. Die Tour führt weiter zu schmuck- und holzverarbeitenden Handwerksbetrieben. Kunstvolle Schnitzereien und teurer Schmuck werden feilgeboten. Wir kaufen nichts. Keine Provision. Das vom Fahrer ausgewählte Restaurant rückt noch einige Scheinchen für das Geschwisterteam heraus. Das Essen schmeckt und der Preis passt. 

Bioshops in thailand
Biorestaurant & Shop

Thailand tut sich schwer mit dem Umweltschutz, obwohl das Bewusstsein in Teilen der Bevölkerung wächst. Die Feinstaubbelastung in Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt des Landes, erreicht an manchen Tagen die von Delhi. Da hilft nur eins, so lange die Verantwortlichen nicht reagieren. Das Warten auf Regen. Auch Plastiktüten und -müll gibt es an jeder Ecke beim Einkaufen. Nach dem Motto dreifach hält besser, packen die Händler die Waren ein. Aufgrund der unüberlegten Nutzung der Kunststoffe gehört Thailand weltweit zu den größten Plastikverschmutzern der Welt. 

Freudig stellen wir einen Trend zu Bio-Läden und -restaurants fest. Öle, Hautcremes, Shampoos, Vitamine, Früchte und Säfte – alles in Bioqualität. Wir stöbern in den Geschäften nach interessanten Produkten und finden schließlich ein Mückenspray., welches wir Vorort testen können. Ein Biorestaurant lädt uns zur Mittagszeit mit großem Garten, Wasserspielen, gemütlichen Sitzecken zum Speisen ein. Vegetarier ergötzen sich an der Speisekarte: gelbe Reisnudelsuppe mit Tofu und Gemüse; Suppe mit scharfem Galgant, ingwerähnliches Gewürz, Kokosnussmilch und Tofu oder gebratener Reis mit Cashewkernen, frischem Knoblauch und Gemüse. Die Fleischesser wählen zwischen Huhn, Rind, Schwein und Seafood. Immer ein Genuss.

Tipp 1: Bio-Restaurant Blue Diamond, 35/1 Moon Muang Rd Soi 9, Amphoe Mueang Chiang Mai, Öffnungszeiten Mo-Sa von 7:00-21:00 Uhr, Sonntag geschlossen, Frühstück und tolle vegetarische Speisen.

Tipp 2: Thai Silk Village, 120/27 M.3 T. Sanklang, Chiang Mai-Sankampaeng Rd. Km 3.

Showfabrik, Seidenproduktion und Weberei, Shopping. Tuk-Tuk-Fahrt kostet ca. 4 € für den halben Tag. Fahrer kassieren Provision vom Umsatz.

 

www.thaisilkvillage.com

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