Der Kälte entronnen - Málaga

Silvesterbummel in Málaga
Die Einkaufsmeile - Calle Marqués de Larios

Autor: Henri du Vinage

Januar 2019

Spanien

 

 

Wir haben genug vom winterlichen Schmuddelwetter und flüchten. Málaga, nur zweieinhalb Flugstunden von Frankfurt/M. entfernt. Kultur, Tapas, Wein, Silvesterparty und Heilige-Drei-Könige-Umzüge durch die Städte und Ortschaften in Andalusien. Eine Auszeit zum Energietanken.

 

 

 

Málaga - Einkaufsmeile
Málaga - Calle Marqués de Larios

Dezember in Deutschland. Bei den Sonntagsspaziergängen in den hessischen Wäldern schlägt uns der feuchtnasse Wind entgegen. Die Temperaturen sind frostig und wir wissen, dass es in unserer mollig temperierten Wohnung gemütlicher ist als draußen. Wir entschließen uns dem Winter den Rücken zu kehren und buchen kurzer Hand neun Tage Málaga. 

Silvester werden wir an der spanischen Mittelmeerküste erleben. Wettervorhersage für Málaga, 31.12. - Höchsttemperatur um 14:00: 20°C, Tiefsttemperatur um 24:00: 12°C. Nach knapp drei Stunden Flugzeit klettern wir aus dem Flieger, pellen uns aus Pullover und Winterjacke, schwingen uns in das Taxi und zwanzig Minuten später sitzen wir in unserem Airbnb - Flat mitten in Málaga. Fußgängerzone, Restaurants, Tapasbars, Modeläden und Museen, Kirchen und Picassos Geburtshaus. Direkt vor der Haustür.

Die Silvesternacht feiern wir mit tausenden Einwohnern Málagas, die wie Ameisen aus den Häusern strömen. Vor Mitternacht bevölkert sich der zentrale Plaza de la Constitución mit Typen in Feierlaune. Die Spanier behalten die Überzahl und sind mit allem was vier und zwei Beine hat in den Gassen. Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren und Menschen in ihren Rollstühlen, handbetrieben oder mit flottem E-Motor, belagern Straßen, Plätze und Kneipen. Nur die Restaurants sind leer. Die Einkaufsmeile, Calle Marqués de Larios, erstrahlt, umrahmt von einem Rundbogen, welcher tausende Sterne des Weihnachtskonsums vor Freude erstrahlen lässt. Aus der digitalen Konserve knatschen spanische Hits und dazwischen immer und immer wieder das Lied, das uns bis zum Ende unserer Reise verfolgen soll: Feliz Navidad, der Supersong von José Feliciano.

Der Moderator zählt: „diez, nueve, ocho...“, alle grölen mit. Lichterblitze zischen durch die Lüfte, der Countdown läuft und jede Sekunde: „siete, seis, cinco...“, wird in einem explodierenden Farbspektakel auf eine Häuserwand gebeamt. 

Salud. Feliz año nuevo.“ Walzer erklingt aus den Lautsprecherboxen. Wir tanzen. Alle tanzen. Eine Stunde später zerstreut sich die Menschenmenge in der Innenstadt. Restaurants, Bars und Kneipen haben sich herausgeschmückt, um ihre Gäste zu verwöhnen. Wir versuchen einen Tisch zu ergattern die Reservado-Schilder weisen uns unerbittlich ab. Wir suchen lange, finden eine Bar, sitzen, wie alle anderen, eingehüllt in unseren Winterklamotten auf der Terrasse und lassen die Nacht bei Tapas und dunkelrotem, alkoholreichen spanischen Wein ausklingen.

Stadtstrand in Málaga
Playa del Huen

Málaga entpuppt sich als Show für Kunstliebhaber. Dreimal Picasso: Museum, Stiftung und Geburtshaus vermitteln die unbändige Kreativität und Vielseitigkeit des Meisters. Wenn in der Nähe von Pablos Elternhaus, am Plaza de la Merced, die Kinder spielen, stelle ich mir einen springenden und lachenden Pablito vor. 

Am nächsten Tag erkunden wir die Stadtstrände. Gegen Mittag müssen wir uns der Zwiebellagenkleidung entledigen und können Luft und Sonne an unsere winterlichen Körper lassen. Abgehärtete springen in die 14/15 Grad kalten Fluten. Nur vom Hinschauen erstarre ich zu einem Eisblock. Direkt hinter dem Hafen ist der Playa del Huen, welcher, wie viele Strände in der Region, mit dunklem, grobem Sand, Touristen und Einheimische anzieht. Ich denke an das winterliche Deutschland mit Schmuddelwetter, tiefgekühlten Gliedmaßen, roten, betäubten Nasenspitzen und Eiszapfen in den Vollbärten der Männer. Wir haben Glück. Der Duft von kokelnder Holzkohle und gegrillten Sardinen zieht an unseren Nasen vorbei. Wir wissen, was zu tun ist. Hinsetzen, Fisch und Wein bestellen, verträumt aufs Meer blicken und die Weite des Horizonts erkunden.

Granada - Alhambra
Granada - Alhambra

Das Museo Carmen Thyssen, fünfzig Meter von unserem Flat entfernt, obwohl erst 2011 eröffnet, zählt zu den bedeutendsten Museen mit andalusischer Malerei. Carmen Cervera, später Baroness Thyssen-Bornemisza, heiratete den Thyssenerben und Kunstsammler Hans Heinrich Àgost Gábor Tasso Baron Thyssen-Bornemisza de Kászon (was für ein Name!). Sie überließ dem Museum unentgeltlich einen spanischen Kunstschatz. Weitere Museen laden Kultur- und Kunstinteressierte ein.

Die wechselhafte Geschichte der Stadt, die verschiedenen Herrscher über Land und Leute haben die Region geprägt. Ein Wechselspiel der Geschichte. Die Araber hinterließen die Alcazaba(Zitadelle), eine Festung und ein Palast. Der Besuch lohnt sich und unweigerlich tauchen unsere Gedanken in die Vergangenheit ein.

Einhundertfünfzig Kilometer entfernt, in der Hochsaison von Touristen überschwemmt, thront die Stadtburg Alhambra auf dem Hügel Sabikahüber der Stadt Granada. Unseren Fantasien sind frei: „Geschichten aus 1001-Nacht“. Wasserspiele, Versorgungskanäle, Gärten, Höfe, Verteidigungssysteme, Paläste vereint in einer Anlage, deren Ursprünge bis ins Jahr 889 zurückreichen. Um 9:00 Uhr besteigen wir einen der vielen preiswerten Überlandbusse der Linie Renfe. Zwei Stunden später steigen wir in Granada aus, nehmen ein Taxi zur Alhambra und nach dem Registrieren der online gekauften Tickets, dürfen wir eintreten. Zur Besichtigung der Nasridenpaläste müssen wir die online gebuchte Zeit einhalten. Die Guides betonen mit Nachdruck und ernstem Blick: „Sie müssen pünktlich um 14:00 Uhr dort sein, sonst kommen sie nicht herein.“ Wir bewundern die Baukunst, machen uns zugleich Gedanken über die Ausbeutung der Völker und den unermesslichen Reichtum der Herrscher. Um 20:00 Uhr bringt uns der Bus ermüdet und gebildet zurück nach Málaga.

Málaga - die weißen Dörfer
Málaga - die weißen Dörfer

Die Tage darauf bummeln wir durch die Stadt, gehen in Museen (siehe Google) erkunden den Stadtstrand, Playa La Malagueta, für uns der schönste Strand innerhalb des Stadtgebiets. Menschen und Hunde stromern herum, der Wind bläst und wir suchen uns ein geschütztes Plätzchen. Wir genießen und entscheiden uns am nächsten Tag ein Auto zu mieten, um die Gegend um Málaga zu entdecken.

Der Mietwagen mit Navi und Vollkasko ohne SB kostet 19 € pro Tag. Bei solchem Preis sind wir erst einmal skeptisch. Mit welchem Trick wollen die Vermieter uns Geld aus der Tasche ziehen? Wir werden später sehen. Unsere Tour führt an Vororten, diversen Stränden, die uns nicht gefallen, vielleicht liegt es an der Jahreszeit, vorbei. Wir trennen uns vom Küstenabschnitt und fahren hoch in die Berge von Málaga. Weißgetünchte Dörfer, blumengeschmückte Hausfassaden, Rebstöcke, Olivenbäume und eine betörende Berglandschaft verzaubern uns. Wir halten in den Parkbuchten an, bestaunen die Natur und bewundern die beschnittenen Olivenpflanzen.

Nach einigen Stunden Serpentinenfahrt, Stopps in den Dörfern, Sayalonga, Cómpetaund Frigilianahat uns die Küste wieder. Wir sind in Nerja. Die blumengeschmückten Häuser der Altstadt betören die Besucher und vorbei an Restaurants und Shops erreichen wir den berühmten Balcón de Europa mit einem grandiosen Blick über das Mittelmeer und den Strand Playa de la Calahonda. Auf dem Platz vor dem Balcónund der Kirche drängen sich die Menschen. Ein roter Teppich ist ausgelegt und in ein bis zwei Stunden erwarten die Zuschauer den Umzug. Schade, dass wir diesen nicht erleben können. Bei Dunkelheit fahre ich nicht gerne und möchte rechtzeitig im siebzig Kilometer entfernten Málaga sein. Pünktlich treffen wir zur Abgabe des Autos ein. Checken des Wagens. Vollgetankt. Keine Beanstandung. Der Trip hat sich gelohnt.

Restaurant Casa de Tereza - Salvador

Was ist los? Menschenmassen strömen in Richtung unserer Wohnung. Was wollen die dort? Wir fragen und bekommen die Antwort: „La Fiestade los reyes“, der Dreikönigsumzug. „OK“, denke ich, „schauen wir uns an“, und folgen der Menge. Einige hundert Meter von unserer Wohnung entfernt stehen an beiden Seiten der gesperrten Straße Kinder, Erwachsene und wir. „Quando“, wann kommen sie. „Logo, logo“, „gleich, gleich“, ist die Antwort. Aus „gleich“ werden zwei Stunden. Aus der Ferne hören wir trommeln, Pop, Hip-Hop, Kinderlieder. Alles Durcheinander. Springend, tobend, verkleidet in Figuren der Kinderhelden springen sie an den Wagen vorbei, werfen Naschereien in die Menge. Die Kinder krabbeln zwischen den Beinen durch, um die Süßigkeiten zu ergattern. Da, ein Kopfschuss, die Kamelle trifft mich an der Stirn. Bei den folgenden Würfen reiße ich die Hände hoch. Ich entkomme den mörderischen Attacken. Die Füße schmerzen. Wo bleiben die Könige. „Logo“. Nach zweieinhalb Stunden des Wartens, einigen Treffern am Kopf und auf der Brille meiner Frau, kommen sie winkend mit ihren Geschenken. Es ist vorbei. Fasching für Kinder. Alaaf und Helau.

 

Tipp 1

Wohnung für zwei Personen, superzentral, Klimaanlage und Heizung, Wifi, Neuwertige Ausstattung, Calle Compãnia 17/1, Málaga,

Melina, +34 605 846 626, melinalunalopez@gmail.com, Preis nach Anfrage. Saisonale Unterschiede.

 

Tipp 2

La Taberna De Monroy, Calle Moreno Monroy 6. Málaga, +34 666 146 211,                                                               Reservas@morenomonroymalaga.com

Hier haben wir gerne gegessen. Wenig Plätze, Hochtische mit Barstühlen, 

kreative Küche, gute Weine, fruchtigen Málagawein zum Dessert (Süßwein).

 

Bodega El Patio, C/Granada, 39. Málaga, Tel.: +34 952 21 20 31

atmosphärisch, Deko mit Weinfässern. Essen bodenständig.

 

Tipp 3

Der hat mir toll geschmeckt: Málaga Dessertwein, Piamater, Moscatel

de Alejandría, 2016. 250 cl, 13 %. 

Bitte in Südwein- oder Likörgläsern trinken. Kalt!

Bei Corte Ingles gekauft: 16 €

 

Tipp 4

Für den Abstecher unbedingt im Voraus die Eintrittskarten Nasridenpaläste

kaufen und pünktlich sein. www.

 

Tipp 5

Mit dem Auto sind verschiedene Touren in die Berge möglich. Wir sind die Route der Sonne und des     Weins gefahren. Sie führt über folgende weiße Ortschaften: Algarroba, Sayalonga, Canillas de Albaida, Cómpeta, Torox, Nerja. Abstecher von Nerja nach Frigiliana und Maro sind möglich.

Infos: http://www.andalucia.org/de/routen/die-axarquia-malaga/

 

Tipp 6

Autovermietung Centauro Rent a car

https://www.centauro.net/de/buchung/ort-und-termine/

 

KEIN PRODUKTSPONSERING! EMPFEHLUNGEN NUR AUS EIGENER, SUBJEKTIVER BEURTEILUNG. Keine Rechtsansprüche.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Reinhold Klein (Dienstag, 19 Februar 2019 12:46)

    Vielen Dank für die tolle Reisebeschreibung. Man bekommt direkt Lust, eine Sofortbuchung vorzunehmen, so anschaulich und interessant hast Du euren "Ausflug" beschrieben. Absolut kompetent!
    Ich bin auf die nächste Reisebeschreibung gespannt...…
    Reinhold

  • #2

    Andreas v. Hünefeld (Sonntag, 17 Februar 2019 22:51)

    Lieber Henri.
    Es macht immer wieder Spaß deinen Bericht zu lesen.

    Danke für deine Mitteilsamkeit. Und schön weiter reisen. Bin gespannt was als nächstes kommt.
    Andreas

  • #1

    Ludwig Witzani (Sonntag, 17 Februar 2019 04:38)

    Super Stimmung, gute Ideee, vielleicht machen wir das nächsten Silvester auch.



 

Henri du Vinage

Karlsbader Straße 16

63538 Großkrotzenburg

+49 176 543 968 43 

Homepage: https:/www.henri-du-vinage.de

E-Mail: h.duvinage@t-online.de

 

Fotos & Recherche: Ana Maria du Vinage

 

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