UNESCO sorgt für Touristenboom - Cinque Terre

Cinque Terre Monterosso

Autor: Henri du Vinage

September 2017

Italien

 

Die pittoresken Dörfer kleben an den Felsen und haben sich zum attraktiven Ausflugsziel an der ligurischen Küste entwickelt. Wanderer durchqueren die Weinhänge und verkosten edle Tropfen der regionalen Traubensorten. 

 

Regen und Sturm peitschen durch La Spezia, mein Ausgangspunkt zu den Cinque Terre. Die Bahnverbindung zu den fünf Dörfern, die an den Hängen zum Mittelmeer kleben, ist an diesem Tag aufgrund der Wetterverhältnisse gesperrt. Selbst im September keine Seltenheit. 1997 wurden die C. Terre zum UNESCO Welterbe erklärt und damit begann aus den verschlafenen, pittoresken Käffern, die um das Überleben kämpften, ein Touristikhit zu werden. In den Sommermonaten wälzen sich Hunderttausende durch die kleinen Dörfer. 2,5 Millionen Touristen müssen die Ortschaften jedes Jahr verkraften. Menschenmassen drängen sich auf dem Bahnhof in La Spezia, um mit ihrer Karte, die Züge Richtung Levanto zu ergattern.

Einen Tag später stehe ich wieder an der Bahnstation und versuche ein Ticket zu erstehen. Nach kurzer Wartezeit bin ich dran und kaufe für 16 € die Tageskarte. Ein- und Aussteigen ist jederzeit möglich. Im Sommer schieben sich hier unvorstellbare 10.000 Tagesbesucher durch den Bahnhof. Heute scheint das Wetter sich zu stabilisieren. Es ist trocken und die Sonne lugt zwischen den Wolken durch. Angenehme 23 Grad.

An den Gleisen bemerke ich, dass es doch sehr voll ist, aber kein Chaos und keine Drängeleien. Ich entschließe mich, die Fünf, Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso al Mare von hinten aufzurollen und in Levanto, der Endstation und nicht mehr zu den Cinque Terre gehörend, zu starten. Ich vermute, dass die meisten Besucher in Riomaggiore, dem ersten Ort, aussteigen. So ist es, obwohl reges Hop on/Hop off in allen Bahnhöfen zu einem undurchschaubaren Gewusel werden. Eine italienische Senioren-Reisegruppe hat ein Abteil beschlagnahmt und sorgt lautstark für gute Stimmung, die sich auch auf mich überträgt, zumal die Reiseleiterin deutsch spricht und mir noch gute Tipps gibt.

Levanto entpuppt sich als kleines, modernes Küstenstädtchen mit einem Strand. Es stürmt und ist ungemütlich. Der Ortskern strahlt ein gemütliches Flair aus. In Feinkostgeschäften bieten die Shops Pasta Fresca, Pestos und andere Spezialitäten an. Die mit Kräutern, Käse, Zwiebeln und Eiern gefüllten frittierten Gattafin, eine Art Ravioli, sind ein herrlicher Genuss und müssen probiert werden. Wer das belebte La Spezia als Ausgangspunkt für Touren zu den Cinque Terre nicht mag, kann sich für das ruhige Levanto entscheiden. Wanderungen auf alten Maultierpfaden gehören zum ausgebauten Wanderwegenetz der Region.

Rechtzeitig erreiche ich wieder den Bahnhof. Der Zug ist schon da und in einigen Minuten werde ich in Monterosso, dem größten der fünf Ortschaften, aussteigen. Ein Sand-Kies-Strand würde bei Sonnenschein zum Verweilen einladen, aber es ist zu kalt für Strandstimmung, obwohl einige hart gesottene sich nicht die Laune verderben lassen. Kapuzinerkloster S. Francesco aus dem 17.Jh., die Loggia del Podestá, 14.Jh.  und die Pfarrkirche San Giovanni Batista sind die Highlights für die Historiker unter uns.

Von der Stazione Ferroviaria Vernazza drängeln die Besucher die Hauptstraße, an Mode-, Souvenir-, Spezialitätenläden und Restaurants vorbei, zum Hafen. Angekommen öffnet eine, lebhafte Piazza mit einem Mini-Strand und einem wundervollen Blick auf die terrassierten Steilhänge für den Weinbau. Vor 800 Jahren begannen die Menschen in der Region, den bis heute beschwerlichen Weinanbau. 7000 Kilometer Trockenmauern erhalten die Terrassen und sorgen für das Versickern und Abfließen der kräftigen Regenfälle. Diese Kulturlandschaft aus Weinreben, Trockenmauern und Terrassen, geschaffen von Bauern der Cinque Terre, hat es verdient von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden zu sein. In den letzten Dreißig Jahren verließ die junge Generation mangels beruflicher Perspektiven die C. Terre und ließ sich in den Großstädten Italiens nieder. So gingen die Rebflächen seit den 1960er Jahren um 90% zurück. Die Weine, gekeltert aus den Trauben Bosco, Albarola und Vermentiono, bilden die Grundlage für die Spezialitäten, der auf dem internationalen Weinmarkt gefragten Weine. Die Winzer keltern Besonderheiten, wie den Cinque Terre Sciacchetrà, überwiegend als Likörwein, Passito oder Riserva ausgebauter Weißwein. Beim Passito werden die Trauben vor der Gärung getrocknet. Dadurch entstehen most- bzw. zuckerhaltige Weine. Der Riserva darf erst nach zwei Jahren der Lagerung verkauft werden. Auch die einfachen Weißweine sind immer ein Glas, oder zwei, wert.

Durch die zahlreichen Gassen, rauf und runter, kreuz und quer, Päuschen hier und Päuschen dort, gelange ich zurück zur Haltestelle.

Vom Bahnhof Corniglia führt eine 200-stufige, steile Treppe in den Ort. Ein Schild warnt: Pharmacy – At the top of the stairs. Von hier aus erfreue ich mich des Blicks auf Meer, Weinberge und das nächste Dörfchen.

Manarola und Riomaggiore fehlen noch in der Sammlung der Fünf. Die Treppe wieder herunter zum Bahnhof, auf den Zug warten, die dunklen Wolken am Himmel bewundern, vorsichtshalber die Regenjacke aus dem Rucksack holen, sich vor den ersten Windböen schützen und in den haltenden Zug springen. Es donnert, gewittert und gießt aus allen Regentonnen des Himmels. Manarola und Riomaggiore fallen ins Wasser. Die Eindrücke des Tages ziehen an mir vorbei. Eine vor 1000 Jahren von Menschen geschaffene Landschaftsstruktur, die Anlage von Terrassenkulturen, die Erbauung von vor Angreifern geschützter Ortschaften, liebevolle Pflege und Erhalt der Kulturlandschaft durch Bürger und Enthusiasten, durch den Tourismus vor dem Zerfall gerettet und zugleich durch ihn gefährdet. Was für Bilder?

Tipp 1

Farinata, köstliche Kichererbsen-Fladen, die Spezialität an der ligurischen Küste,

probieren und Zuhause backen.

Zum Rezept 

Tipp 2

Reisezeit: nicht in der Hochsaison

http://www.cinqueterre.eu.com/de/cinque-terre-fahrplan

Tipp 3

Wanderungen durch die gut ausgeschilderten Wege, Wetterbedingungen und Aus-

rüstung beachten.

Tipp 4

Ausflug nach Genua: Centro storico, Piazza Banchi, Piazzs de Ferrari, Kolumbus‘

Geburtshaus.

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Henri du Vinage

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