Bordeaux - City des Weins

Kostprobe im Cité du Vin
Photos Anaka/La Cité du Vin/XTU Architects

Autor: Henri du Vinage

März 2018

Frankreich

 

 

Die Welthauptstadt des Weins nimmt mich gefangen. Im Erlebnismuseum "Cité du Vin" reist der Besucher virtuell, spielerisch und mit allen Sinnen durch die Weinregionen unseres Planeten.

Alternatives Haus für Bio-Landwirte
Alternatives Haus für Bio-Landwirte

Radfahrer, Skater, Eltern mit und ohne Kinderwagen wirbeln auf der Uferpromenade der Garonne entlang. Bei schönem Wetter und an den Wochenenden strömen die Bordelaiser an die Ufer des Flusses. Die Kinder rutschen in einem nur knapp mit Wasser bedeckten Becken durcheinander. Jugendliche und Junggebliebene skaten auf den Bahnen und wagen tollkühne Sprünge. Ein Infostand informiert die Besucher über Lebensmodelle in Verbindung mit biologischer Landwirtschaft. Träumer, Aussteiger, Enthusiasten, Biolandwirte und -gärtner oder Weltverbesserer finden hier alles zum sofortigen Start. Einige Hektar Land, ein zum Domizil umgebauten Bauwagen, eine Solaranlage zur Stromerzeugung, Technik zur Wasserversorgung und last but not least Küche und Bett. Die Idee zu diesem Projekt haben zwei junge Leute, die uns erklären: „Wer keine Kenntnisse über Bio-Landwirtschaft mitbringt, wird von uns trainiert. In den ersten Monaten begleiten wir die Leute intensiv.“ Plötzlich taucht der Bürgermeister auf. Er hat Interesse an Gärtnereiprojekten und Dachbegrünungen. 

Am Ufer der Garonne legt gerade ein Solarkatamaran an, der von seiner Weltumrundung zurück ist. Ein Stand informiert. Wie ein ökologischer Schock wirkt dagegen das riesige Kreuzfahrtschiff. Die Reisenden verlassen soeben den Riesen und brechen zur Entdeckung der Stadt auf. Ein starker Kontrast.

  

Hubbrücke über der Garonne

Der Weinliebhaber fühlt sich in dieser Stadt Zuhause. 2016 weihte der französische Präsident Hollande das Museumsprojekt „Cité du Vin“ ein. Schon aus der Entfernung reflektiert die Aluminium Konstruktion das Sonnenlicht und dient mir als Wegweiser. Das Erlebnismuseum ist nicht zu verfehlen. Rätselhaft ist mir zunächst die Symbolik des hypermodernen Bauwerks, bis mir der Museumsguide erklärt: „Der glitzernde Turm symbolisiert die Bewegung des Weins in einem Glas.“ Darauf freue ich mich schon. Davor sind allerdings 13.350 m2 und 10 Ebenen zu bewältigen. Ich starte mit der temporären Ausstellung „Die Wiege des Weins.“ Die Schau führt mich nach Georgien und zu den ersten Funden über Weinanbau und alte Keltertechniken. Seit vielen tausend Jahren wird im heutigen Georgien Wein angebaut. In bis zu mehreren tausend Liter fassenden, in die Böden eingelassenen Terrakottagefäßen wurden die Trauben zu Wein vergoren. Dieses traditionelle Verfahren ist zu einem Teil bis heute erhalten und einige kreative Winzer, auch außerhalb Georgiens, experimentieren mit den großen Tongefäßen, den Qvevris. Schade, gerne hätte ich den georgischen Wein probiert. Leider sind die altertümlichen Gefäße leer.

 

Meine Sinne drohen zu bersten. Hören, Sehen, Tasten, Riechen und Schmecken – Genuss auf allen Ebenen. Die Weinregionen aus aller Welt werden vorgestellt. Videos zeigen die Regionen, Reben und Weinkenner und Winzer erklären und erzählen. Der Spieltrieb zeigt sich und ich wechsle von der Region Rioja in das Land Chile und von dort geht es weiter nach Neuseeland. Die ganze Welt des Weins liegt mir zu Füßen. Auch der Geruchssinn wird geschärft. Wie riecht Barrique? Vier Stunden bin ich bereits unterwegs und habe nicht nur Durst. Ich will endlich einen Wein! Im letzten Stock angekommen bestelle ich mir ein Glas Wein und genieße den Blick auf Bordeaux, die langsam dahinfließende Garonne und die Hubbrücke Jacques Chaban-Delmas streckt sich dem Himmel entgegen, um für den großen Pott die Fahrt freizumachen.

Die Bürgerhäuser, die alten Fassaden der Weinhändlerhäuser wechseln sich mit Restaurants, Kneipen und Cafés sowie mit Einzelhandelsgeschäften ab. Ein reges Treiben herrscht und ein Blick in die kleinen Gassen der Altstadt ist lohnenswert. Die Nächte lassen Bordeaux besonders pittoresk erscheinen. Der Fluss gibt sich alle Mühe im rechten Licht zu erscheinen und es gelingt ihm grandios.

Tipp 1: La Cité du Vin, 134-150 Quai de Bacalan, 1, Esplanade de Pontac. Temporäre Ausstellung: 23.03.-24.06. Wein und Musik – Harmonie und Dissonanz. Eintritt: 20-25 €, Vorbestellung sinnvoll. Diverse Sonderveranstaltungen und Degustationen. Vorher anmelden. Überwiegend in Französisch.

Site: La Cité du Vin

 

Tipp 2: Rue Sainte-Catherine: Fußgängerzone und Einkaufsmeile. Einkaufen, schauen und Café trinken.

 

Tipp 3: Weinentdeckungsreise um Bordeaux: Saint-Émilion mit schöner Altstadt und „Vin“.

Kommentare: 2
  • #2

    Henri (Freitag, 30 März 2018 03:51)

    Es freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Für das Weinmuseum kannst du locker vier Stunden einplanen.

  • #1

    Werner (Donnerstag, 29 März 2018 18:21)

    Hallo Henri, danke für den interessanten Bericht. Man bekommt richtig Lust mal hinzufahren und die Gegend zu erleben. Sehr interessant auch sicherlich das Weinmuseum.
    LG Werner



 

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Fotos & Recherche: Ana Maria du Vinage

 

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